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Konzept der Saxdays in Eppstein

Einmalige Mischung aus Proben, Konzerten und Improvisation

Mister Saxdays Ralph Schmidt und …

Saxdays, dieser Name hat in der Szene einen so exzellenten Ruf, dass ihm rund 40 Saxophonisten aus ganz Deutschland und Österreich sowie die Schirn Big Band aus Frankfurt nach Eppstein gefolgt sind.

57 Teilnehmer lernten, probten und wurden am vergangenen Wochenende in Workshops und Konzerten inspiriert von den fünf hochkarätigen Dozenten Gernot Dechert, Ralph Schmidt, David Beecroft, Leandro Saint-Hill und Peter Klohmann.

Viele Teilnehmer der zwölften Ausgabe dieser Veranstaltung, die vom Kulturkreis Eppstein organisiert wird, waren schon in früheren Jahren dabei. Dieses Jahr hatte sich wieder eine bunte Mischung aus Menschen im Teenie-Alter und gestandenen Erwachsenen zusammengefunden. Die gemeinsame Leidenschaft ließ ganze Familien anreisen, Väter holten ihr altes Saxophon hervor, frischten im Vorfeld ihr altes Hobby auf, um ihre Söhne zum Workshop zu begleiten.

Der künstlerische Leiter der Saxdays, Ralph Schmidt, war vom hohen Niveau der Teilnehmer begeistert. Das Improvisieren zu Akkordsymbolen entwickle sich mit der Zeit. Man könne es lernen, aber man müsse auch viel üben, lobte Schmidt die gute Vorbereitung der Teilnehmer. Im Workshop müsse man auf den Fähigkeiten aufbauen, die im Laufe des Jahres trainiert wurden. Die Zusammenarbeit mit den engagierten Schülern habe deshalb auch den Dozenten viel Freude gemacht.

Die Atmosphäre des Musik-Trainingslager war familiär und geprägt von der Leidenschaft zum Jazz in all seinen Variationen. Die Session „Jazzimprovisationen in berühmten Jazzstandards“ für die Mittelstufe unter der Leitung von Ralph Schmidt war schnell ausgebucht. Auch für Gernot Decherts Workshop Funky Saxophon gab es mehr Anmeldungen als Plätze. Er gab Tipps und Tricks zur perfekten Soulsax Performance. Seine Fans hatte auch der Kubaner Leandro Saint-Hill aus Hamburg, der rhythmische Grooves von afrokubanisch bis Funk als Schwerpunkt unterrichtete. Seine fröhliche, lockere Art begeisterte wieder im Abschlusskonzert.

Ebenfalls begeistert waren die Teilnehmer von dem neu hinzugekommenen David Beecroft. Der Kanadier beherrscht alle Saxophone, Querflöte und Klarinette. Als Multi-Instrumentalist ist er in der Berliner Jazzszene etabliert. Seine Erfahrung gab er an seine Schüler weiter.

Es sind viele Aspekte, die die Faszination der Saxdays ausmachen: Hochkarätige Dozenten, die mit Funk, Soul, Swing, Latin, Improvisation und verschiedensten Stilrichtungen die Bandbreite des Genres breit abdecken, und eine professionelle Workshop Band für die Jamsession gehören dazu.

Zudem dürfen die Workshopteilnehmer in Eppstein die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit in einem öffentlichen Konzert präsentieren.

Gemeinsam lauschten die Teilnehmer mit weiteren rund 100 Gästen am Freitag dem Eröffnungskonzert, gestaltet von der Schirn Big Band. Der Besuch am Samstag und Sonntag war geringer, aber für Jazzliebhaber ein musikalischer Diamant. Beim Eröffnungskonzert präsentierte Leandro Saint-Hill kubanische Salsa, David Beecroft eher typischen Cooljazz, Gernot Dechert riss das Publikum mit Funky mit. Neu dabei war Pianist Christoph Spendel, der jedes Konzert mit seiner Art zu spielen bereicherte und die Zuhörer von den Sitzen riss.

Die Sängerin Amra Mothes bezauberte mit ihrer Interpretation von „Cheek to Cheek“ sowie dem Stück „Back to Black“ von Amy Whinehouse. Stimmgewaltig und atemberaubend interpretierte Tina Winsi die James Bond Titelmelodie „Skyfall“ und bekam begeisterten Applaus für „Don´t know why“ von Norah Jones.

Das Eröffnungskonzert verband Bekanntes mit unbekannten Eigenkompositionen. Bei den Saxdays wird experimentelle und zeitgenössische Musik eingebunden. Im Konzert am Sonntag zeigte sich die Big Band avantgardistisch. Normalerweise spielt die Schirn Big Band unter der Leitung von Ralf Schmidt, doch während der Saxdays übernahm Peter Klohmann dessen Rolle. Klohmann ließ eigene Stücke in außergewöhnlichen Arrangements spielen. Seine BSE Suite war ein doppeldeutiges Spiel mit dem Titel, verband die Kürzel des Rinderwahns mit den Noten b (e)s und E, die die Grundlage des Stückes bildeten.

Auch bei Gsus, dem letzten Stück des Abschlusskonzertes wurden spielerisch Sprache und Musik verwoben. Gsus ist ein Akkordsymbol, bei dem aus einem G-Dur Akkord die Terz gegen die Quarte ausgetauscht wird und damit ein etwas schräger Klang entsteht. Aus diesem Akkord hatte David Beecroft ein mehrstimmiges Stück geschrieben, in dem die Saxophonisten mittendrin „Oh mein Gott“ sangen. Diese Gesangseinlage versteht man erst, wenn man Gsus auf amerikanische Weise ausspricht. Dann ergibt sich lautmalerisch Jesus.

Für die Jamsession, dem Konzert am Samstagabend, hatten sich die Teilnehmer bei der Anmeldung für bestimmte Stücke beworben und diese zu Hause eingeübt. Ohne gemeinsame Probe ging es direkt auf die Bühne, unterstützt von der Workshopband.

Ralph Schmidt lobte nach den drei Tagen die Freiherr-vom-Stein-Schule als guten Veranstaltungsort. In 15 Räumen wurde geprobt, hatte der Saxophon-Doktor seine Praxis eingerichtet. Spezialisten stellten ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Die Konzerte fanden in der Aula der Schule statt. „Das ist für uns ideal, denn wir können mit den Instrumenten und der Soundtechnik im Haus bleiben“, erklärte Schmidt auch im Hinblick auf seine Erfahrungen, die Konzerte nach dem Workshop an einem anderen Ort zu verlegen. Dies bedeute einen logistischen Kraftakt, denn nach den Workshops bleibe nicht viel Zeit bis zum Konzert.   ffg

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